Rap is in the house: HipHop in der DDR - Mike Wagner

Die DDR-Rap-Entwicklung läßt sich nicht ganz isoliert von den anderen Bestandteilen der HipHop-Kultur betrachten. Daher ist hier nicht ausschließlich von Musik zu reden, sondern auch von den 1984 bis '89 boomenden Breakdance-Crews und ersten Versuchen, Graffiti- und DJ-Vorbildern nachzufolgen. Sofern man nicht schon vorher durch sonstige (West-) Kanäle von HipHop vernommen hatte, begann »die neue Modewelle«, ausgelöst durch den Kinofilm »Beat Street«, etwa ab '84/85 um sich zu greifen.

Radio

Einziges gemeinsames Medium für die HipHopper in der DDR war - ab Ende 1987 - die wöchentliche Rundfunksendung »Vibrationen« im Programm von Jugendradio DT 64. Lutz Schramm, eigentlich vom Punk kommend und Moderator der Schrägrocksendung »Parocktikum«, sah hier eine interessante Entwicklung, die es medial widerzuspiegeln galt.
Besonders im ostsächsischen Raum, wo Westradio und -TV in lohnender Qualität nicht oder nur äußerst aufwendig zu empfangen waren, errangen die »Vibrationen« bald Kultstatus und wurden zu Hause auf den Radiorecordern mitgeschnitten.



Abb.: Friedhofsmauer, Heinrich-Roller-Straße, Berlin im Juli 1989 Foto: Susanne Schleyer

»Deejays« und »Emcees« aus der ganzen Republik sandten Kassetten mit eigenen Produktionen nach Berlin, um sie den Hörern der >>Vibrationen« vorzustellen, denn Mixe und Rapsongs auch hörbar niedrigen Niveaus wurden tatsächlich ausgestrahlt. Neben mehr oder weniger aktuellen internationalen HipHop-Titeln gab es auch Interviews mit Aktiven der Szene, Berichte von Rap-Contests und -Workshops sowie gelegentliche Studiogäste.
Etwa 1990 gab Lutz Schramm die Sendung bei Umbenennung in >>Yo! Show« an Andre Langenfeld ab, dessen Konzept sich aber auf internationale Neuerscheinungen und seltene (Berliner) Gäste beschränkte - was jedoch kaum tragisch war, weil die speziellen Eigenarten und die originelle Eigenständigkeit von »DDR-HipHop« in diesen Zeiten ohnehin schwanden.

Die Rap-Contests in Radebeul

In allen Ecken der Republik bastelten Kinderzimmer-DJs an ihren Recordern, Mischpulten oder Plattenspielern, und ihre Schulfreunde-MCs rappten dazu in die Mikros. Diese kreativen Jungs (weibliche Aktive gab's damals nur wenige) einmal zusammenzubringen, um einander kennenzulernen und zu unterstützen, war Zweck der Rap-Contests.
Die Idee zum republikweiten Leistungsvergleich aller Rapmusiker hatte der Dresdner Alexander Morawitz, der selbst seit September 1987 unter dem Name Electric B rappte. Gemeinsam mit seinem Manager Peter Figas plante und organisierte er die beiden legendären Rap-Contests im Dresdner Vorort Radebeul 1988 und 1989. Konzertort war eine Turnhalle an den Radebeuler Elbwiesen, die innen ringsum mit Graffiti-Leinwänden ausgehangen wurde - damals noch mittels Pinsel und Farbkästen gemalt, da es seit der in »Beat Street<< propagierten Sprüherei keine Dosen mehr im Einzelhandel gab.
Über die Radiosendung »Vibrationen« ließen die beiden Enthusiasten einige Monate vorher aufrufen, sich mit Demotapes für den 1. Rap- Contest im Sommer zu bewerben. '88 gab es dafür noch keine Auslese. Peter Figas, auf einem vor der Bühne abgestellten und bemalten alten »Wolga« moderierend, rief selbst kurz vor Beginn des ersten Acts noch Auftrittswillige im Publikum dazu auf, sich zu melden. Interpreten wie Zuschauer kamen tatsächlich aus allen Landesecken angereist, und viele zelteten während dieses Wochenendes auf den Elbwiesen. Veranstalter Peter dazu: »Auf dem Weg zur "Tonhalle" hörte ich die Recorder und sah die aufgeschlagenen Zelte und die Lagerfeuer der Fans, die schon am Abend zuvor angereist waren. Im Laufe des Tages wurden es immer mehr, jede S-Bahn brachte Hunderte Leute hinzu. Der erste Rap-Contest dauerte eine Nacht und hatte etwa 2.5OO Besucher.« Vor der Bühne fanden sich ca. 1.000 Leute wieder, während sich der Rest draußen vor der Halle tummelte und folgende Acts verpaßte:

Teilnehmer des 1. Rap-Contests 1988:

1. Tom & Tom - The DJ-Rappers (Rodleben)
2. J. T. C. - Mixers (Arnstadt)
3. S.B.-Jay (Arnstadt)
4. Rapety D.C. (Leipzig)
5. Beat Master Ice / CoolJay Pee (Wittenberg)
6. DJ Jimmy X & M.C.T. (Berlin)
7. Three M-Men (Dresden)
8. DJ Gambler (Dresden)
9. T.J. Big Blaster Electric Boogie & The Electric Posse (Dresden)

Die musikalische wie technische Qualität der dargebotenen Musik spannte einen weiten Bogen. Beispielsweise rappten Tom & Tom zu einem Tape mit Rick-Astley-lnstrumentals und sorgten damit für entrüstete Heiterkeit. Von der etablierten Musikszene ignoriert, fand der 2. Rap-Contest am 28./ 29. Juli 1989 in der „Tonhalle" Radebeul-West statt.

Teilnehmer des 2. Rap-Contests 1989:

Freitag

1. PDM Teenie Rappers (Potsdam)
2. Downtown Lyrics (Berlin)
3. S.B.-Jay (Arnstadt)
4. Beatclu6 99 (Cottbus)

Sonnabend

1. Three M-Men (Dresden)
2. Famous Crack (Görlitz)
3. D1 Gambler (Dresden)
4. Electric B (Dresden)



Abb.: Beatschmidt aus Dessau, der längste Breaker des Sozialismus (Foto: Archiv Peter Stolp-Figas)

Statt hier jeder Teilnehmererinnerung Platz einzuräumen, gebe ich die leider einzige Zeitungsmeldung zum Besten, auch wenn es dem Bericht an Sachkompetenz mangelt. Bernd Gürtler in der Dresdner Tageszeitung "Union":
>>Dem Veranstalter träumte noch in der Nacht davor, es sei keine einzige Eintrittskarte verkauft und daher auf Bluesbands umdisponiert worden. In Wahrheit passierte das ganze Gegenteil. Zu dem nun schon zweitägigen Contest fand sich gegenüber dem Vorjahr ein doppelt so großes, nämlich pro Abend mehr als tausend Besucher zählendes Publikum ein, welches keineswegs nur aus Teenagern in Trainingsanzügen und Schirmmützen bestand, in jedem Fall aber ungemein interessiert war. Trotz klimatischer Unzulänglichkeit dieser Tonhalle, die ja sonst eigentlich eine Turnhalle ist, drängte sich das Publikum dicht, und es herrschte eine aufgeschlossene, kollegiale Atmosphäre, wie sie die Rockmusik schon lange im Geschichtsbuch abgeheftet hat. Das heißt natürlich nicht, es sei inzwischen landesweit HipHop-Fieber ausgebrochen. Um bei der Wahrheit zu bleiben, muß erwähnt werden, daß nicht unwesentliche Teile des so großen Publikums aus Freaks der gesamten DDR bestanden (der Veranstalter hatte wieder einen Zeltplatz bereitgestellt). Dennoch bleibt es dabei, Radebeul deutete auf gewachsenes Interesse hin, und so stimmt es wohl: Sollte gar nichts helfen, wird sich der einheimische HipHop letztlich quantitativ durchsetzen.



Electric B
Foto: Archiv Peter Stolp-Figas

Bei den Machern läft sich ein derartiger Zuwachs leider nicht feststellen. Doch immerhin befanden sich unter den insgesamt acht Crews drei völlig neue, und das ist auch schon beachtlich: PDM Teenie Rappers (Potsdam), Beatclub 99 (Cotthus), Famous Crack (Görlitz) Im stillen Kämmerlein werden gar noch mehr unbekannte Talente vermutet. Weshalb sich diese nicht an die Öffentlichkeit wagen?
Weil inzwischen feststeht, daß es sich doch um mehr als ein Freizeitvergnügen handelt, ein Mindestmaß an Qualität verlangt wird, verlangt werden kann und muß. Da will man sich erstmal umsehen, um dann weiter zu trainieren oder es ganz lassen; beides hätte seine Berechtigung. Und genau hier ist ein weiterer, neuer Aspekt zu finden: Massenhaftes Publikum hilft sehr wohl, eine Szene zu etablieren. In der Zeit seit dem ersten Workshop im Januar diesen Jahres in Nickern wurden allerdings auch solche qualitativen Fortschritte erzielt, daß HipHop sich ebenso von daher durchsetzen wird.
Wie schon im letzten Jahr wurden auch diesmal keine Preise vergeben, obwohl die Veranstaltung als Contest ausgeschrieben war. Eine Art Wertung ist dennoch unumgänglich: Electric B., SBJ und DJ Gambler bilden nach wie vor die Spitze, doch rückte diese enger zusammen, denn letztere zwei konnten musikalisch und handwerklich nachholen. Auch erhielt das Spitzenfeld Zuwachs, und zwar in Gestalt der schon beim Workshop positiv bemerkten Eastside Attack (Berlin), die jetzt Downtown Lyrics heißen. Mit ihrem umfangreichen Programm, mit überraschenden Ideen, Livemix von Schallplatten, Talent für visuelle Präsentation wußten sie zweifellos zu beeindrucken. Das Manko besteht weiterhin darin, daß ihre Auftritte früher oder später in ein wenngleich inzwischen weniger chaotisches, dennoch loses Happening ausufern, und das Handwerk bedarf hier und da noch einer Verfeinerung (z.B. Livemix). Obschon immer noch der originellere und bessere Musiker und geistreichere Botschafter, wird Electric B. sich also mehr strecken müssen als bisher, will er seine höchste Spitzenposition weiterhin behaupten. Anzeichen für Fortschritte im hiesigen HipHop ist auch eine sich abzeichnende Vielfalt & Breite. Man sah und hörte erstmals je eine Rapperin bei SBJ und den Three M-Men (Dresden), Beatclub 99 postierte zwei zwölf- bzw. dreizehnjährige Buben in den Background (ungemein ausbaufähig!). Was die Texte angeht, rückt das Thema Biertischneonazis weiter in den Mittelpunkt. Der bessere der beiden Abende fand zweifellos am Freitag statt. Hier wurde Besseres geleistet und besser organisiert. Den schlappen Sonnabend haben zuvorderst die Three M-Men verbrochen. Es kann selbstverständlich eine eigene Art sein, den Gitarristen gelangweilt an die Decke starren und sonst nichts tun zu lassen, vergessene Raps durch Gelaber zu ersetzen, etc. Doch dann bitteschön als wirklich eigene Art. Darüber hinaus befand sich allerdings auch Electric B. nicht in Hochform. Und zuguterletzt ging noch das Finale, die Präsentation der Universal HipHop Family, des losen ideellen Zusammenschlusses der landesbesten HipHopper, etwas daneben. Was letzteres betrifft, sollte daraus kein Hindernis werden, auch weiterhin miteinander zu reden. Wenn dieser vielleicht etwas altväterliche Ratschlag gestattet ist.«
In der britischen Black-Music-Zeitschrift »Soul Underground« wurde im Oktober 1988 über den ersten Rap-Contest berichtet. Ein Thüringer Besucher hatte seinen Bericht gesandt.

Der HipHop-Workshop in Nickern

Unweit vom Plattenbauviertel Prohlis am Dresdner Stadtrand befindet sich das heruntergekommene kleine Schloß Nickern, wo sich im Januar 1989 ca. drei Dutzend von Electric B. eingeladene HipHops aus der ganzen DDR zusammenfanden. Mal wieder waren die Angereisten ca. 16 bis 18 Jahre alt, und erneut kamen sie mit Schlafsäcken, um in der Veranstaltungslocation zu übernachten. Rap-ContestMacher Peter Figas hatte auch hier die organisatorischen Fäden in den Händen, während sich Alexander Morawitz a.k.a. Electric B um die musikalischen Aspekte des Workshops kümmerte.
Der Sinn des von Freitag bis Sonntag laufenden Workshops bestand vor allem darin, daß die HipHops einander kennenlernten und austauschten, woraus sich neue Impulse für die junge, kaum geförderte, aber engagierte Szene ergeben sollten. Die Betreuung des Workshops war dreigeteilt: Gabor »El Unico« Steisinger kümmerte sich um die Graffitileute, DJ Gambler alias Henry Kammler übernahm die DJs und das Mixing, während Alex die Rapper betreute.



»Wir wollen versuchen, den Leuten, die HipHop machen, die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, was außer ihren eigenen Sachen im Land gemacht wird. Wir versuchen hier, den Leuten Hinweise zu geben, was man vielleicht an der Arbeit verbessern kann, worauf man sich konzentrieren sollte, ohne daß wir dabei in irgendeiner Form dogmatisch sagen: so und so muß das gemacht werden. Was uns wichtig erscheint, ist, daß jeder versucht, an einem eigenen Stil zu arbeiten, daß auf gewisse inhaltliche Sachen ein Augenmerk gelegt wird, daß die Texte also nicht bloß so gemacht werden, weil man halt als Rapper irgendwelche Texte sprechen muß, und daß auch die musikalische Gestaltung irgendwie mit den Texten in Zusammenhang steht.<<
Dabei waren u.a. S.B.-Jay aus Arnstadt, die Three M-Men aus Dresden und die Berliner Eastside Attack. Neben Electric B einziger Solist: Ronald Potratz, eigentlich Breakdancer beim Dresdner Pineslope Club, vollführte seinen einzigen Auftritt als MC. Sein deutscher Text zur selberprogrammierten C-64-Musik handelte von Umweltzerstörung und erschien etwa wie eine gereimte Ubersetzung des »Beat Street Breakdown«.
Ein namentlich nicht mehr recherchierbares Duo aus dem Thüringer Raum in Lederwesten über Jeansjacken rappte auf Beats, zu denen Gitarrenriffs a la AC/DCs >>TNT<< gemischt worden waren, was in den späten Achtzigern ein international gängiger Trend von den Beastie Boys bis zu Tone Loc war. Außerdem boten die beiden lockenmähnigen Jungs eine witzige, deutsche Version von Public Enemys »Sophisticated Bitch«, ihr entsprechender Refrain »Sooo wundervoll!« wurde von den Anwesenden fröhlich mitgegröhlt.



Abb.: License to Nickern
Foto: Archiv Peter Stolp-Figas

DJ Jimmy X alias Jim Eicke und Torsten »MCT« Krüger waren ja bereits ein halbes Jahr zuvor beim 1. Rap-Contest aufgetreten - nun bildeten sie zusammen mit Tito, Rene »G.I.« Röder, Veit »Phite« Braml„ >>T.C.« und Mirko Nontschew die Eastside Attack. Auch qualitativ war Wachstum zu verzeichnen, die Konkurrenz war von der neuen Gruppe beeindruckt. »Ostseiten-Attacke« war nicht lange tragbar und wurde bald umgetauft in Downtown Lyrics, unter diesem Namen errangen die Jungs auch späteren Erfolg.
Der Workshop wurde mit einem Konzert aller Teilnehmer beendet, zu dem wegen des kleinen Schloßsaales nur wenig Publikum hereingelassen werden konnte. Es gab auch »Beobachter«-Gäste wie Olaf »Grandmaster K« Kretschmann von der Berliner Electric Beat Crew, die sich am Freitagabend die anderen Acts ansahen, ohne selbst zu performen.

Electric B

Die den Rap vorantreibende Ausnahmefigur war Alexander Morawitz. Er kam aus musikalisch anderen Genres, war vormals Mitglied des Dresdner Krenzchores und spielte später Schlagzeug in verschiedenen Kapellen (u. a. DekaDance, Code M.D., New Fantastic Art Orchestra of North, Zweites Material, Absalom, Bankrott).
Wie die meisten in dieser Zeit, begann auch er etwa 1985 unter dem Einfluß des Films »Beat Street« und der im Stadtbild immer häufiger auftauchenden Breakdancer, sich für HipHop zu interessieren. Nach eigener Aussage machte er Rapmusik jedoch vor allem wegen der Möglichkeit, dem Hörer viel sagen zu können. Mit Tesla-Tonbandgerät, Plattenspieler, einem (von der Band AnGenehm für 50 Mark pro Tag) ausgeliehenen RX5-Drumcomputer und Vierspurgerät werkelte Electric B an den Soundtracks für seine ellenlangen englischen Lyrics, die er mit Hilfe zweier an der TU lehrender Engländerinnen schrieb. Lyrisch und inhaltlich rappte er mit Abstand die ausgefeiltesten Texte, in denen er unter anderem die bestehende Gesellschaft kritisierte. Bei seinen Parties in der Dresdner »Scheune« war dann auch immer ein Beobachter der Stasi anwesend, die seiner Musik wegen zum Hausbesuch vorstellig wurde.
Mit der Breakercrew Quick Animation trat Electric B als Rapper in den Dresdner Fußgängerzonen auf. Solch ein bei den städtischen Behörden zwar nicht angemeldeter öffentlicher Auftritt wurde von den Bütteln dennoch meist geduldet und brachte den Tänzern auch erkleckliche Summen ein. Weil Alex aus Mangel an HipHop-Platten gezwungen war, mit Bändern zu arbeiten, nannte er sich während seiner Parties T.J. Big Blaster Electric Boogie - Tape Jockey.



Abb.: Electric B (r.), Keyboarder Mystery Key (m.), Partyanheizer Boost'l (l.) Foto: Archiv Peter Stolp-Figas

Die verschiedenen Facetten von HipHop betrachtete Alex stets als Einheit, so daß er immer bestrebt war, sie bei Events zusammenzuhalten. »Das machte auf mich einen Eindruck von Zusammengehörigkeit.« Die Veranstaltungshäuser wurden mit Graffitiplanen ausgehangen, und Breakdancer schafften sich Platz im Publikum und breiteten auf dem Boden ihre Matten aus, um gegeneinander zu tanzen. Alex versuchte es mit verschiedenen DJs und entschied sich für Sample DJ D aus Görlitz, dessen eigentlicher »Famous Crack«-Partner in den Westen übergesiedelt war. Neben den Rap-Contests hatte Alex auch die Idee von der Universal HipHop Family, dem übergreifenden, losen Zusammenschluß aller DDR-HipHops, worauf es aber nur wenig Echo gab.
Neben den etwa alle zwei Monate stattfindenden Scheune-Parties und sich häufenden Gigs auch außerhalb Dresdens kamen ab '89 auch größere offizielle Veranstaltung wie am 15. Januar im Berliner »Palast der Republik«. Ein anderes seiner dortigen Konzerte wurde im Programm von Jugendradio DT 64 mehrmals zum Mitschneiden gesendet. Electric B's einzige Rundfunkproduktion war »Full Electric«, bei dem auch Dresdens berühmter B-Boy Thomas »Tommy B« Reißig mitrappte.
In der Breakdancegruppe »Quick Animation« tanzte auch Gabor »El Unico« Steisinger, der Animation studierte und 1989 einen 12minütigen Zeichentrickfilm fertigte, dessen Soundtrack »Beat Of The City« (Singstimme Bobo) von Electric B produziert wurde. Meines Wissens ist »Quick Animation« der bis heute einzige HipHop-Zeichentrickfilm, der jedoch - obwohl damals von der DEFA in ihren Vertrieb aufgenommen - nie in die Kinos kam, sondern im Archiv des Berliner »Progress-Film-Verleih« auf seine Wiederentdeckung wartet. Außerdem schuf Gabor im Dresdner DEFA-Trickfilmstudio den Zeichentrick-Clip (5 min) zum Titel »Neighbourhood« von Electric B.
DJ Gambler

Bekanntester Bedroom-DJ der DDR-HipHop-Szene war Henry Kammler. Wie andere begann auch er 1984 mit Electric Boogie, sah Ende 1984 »Beat Street« und breakte und probierte vor sich hin, bis er zum Heart Break Club gehörte, welcher ab 1987 Quick Animation hieß.



Abb.: Breakcrew »Quick Animation«: Horst Elsner (vorn), Gabor Steisinger (hinten rechts mit Mütze) HipHop-Zeichentrickfilmer Foto: Archiv Peter Stolp-Figas

In Dresden, dem »Tal der Ahnungslosen«, war DJ Gambler gezwungen, das zum Mixen zu verwenden, was dort zu bekommen war, mitgebrachtes Westvinyl aus dem Freundeskreis ebenso wie »Vibrationen«-Mitschnitte. Gelegentlich rappte er auch englisch und spanisch, was jedoch vom Stil her seinen gelungenen Mixen eher abträglich war. Dennoch rappte er auch unterstützend auf Electric B's erstemTape.
DJ Gambler produzierte ein Mix- und ein Raptape. Die Mixkassette »It's more beautiful« enthielt Mixe aus den Jahren 1987 bis 1989, die mangels frischeren HipHop-Materials häufig auf dem »Beat Street«-Soundtrack basierten. Der Titel war angelehnt an Dresdens erstes Graffitipiece »Ist doch schöner, nicht?«, das El Unico mit Quick Animation 1988 an eine Hausmauer gegenüber der »Scheune« gepinselt hatten. Zu dieser Kassette gibt es keine Titelliste. Manche der Lyrics und Raps stammen von Henrys Co-MC Tamas. Auf dem Raptape »Don't let DeM eat us« waren Gamblers Rapsongs und einige kleine Mixe.
DJ Gambler zu Technik und Arbeitsweise: »Ganz am Anfang war der Recorder, mein Jugendweihe-KR 650, an den ich einen Knopf zum Regeln der Geschwindigkeit bastelte. Mit der Pausentaste hab' ich immer so Beatstücke zusammengeschnipselt. Dann nutzte ich noch ein Metronom und ein Mikrofon, und das Tesla-Tonbandgerät meines älteren Bruders, damit konnte ich die beiden Stereospuren unathängig mit Kram bespielen und zusammen mono ableiern, das ergab einen Mixeffekt. Bei den Raps spielte ich pingpongartig meist das Instrumental nochmal auf den Recorder und dann gemeinsam mit der Mikrofonaufnahme auf eine Bandspur, während auf die andere noch Hall oder sonstige Effekte kamen.«

Three M-Men

Eine Ausnahme bildeten die Three M-Men aus Dresden. 1987 gegründet, war das Trio vor allem ein Werbegag für sich selbst. Drei damals 17jährige Jungs, deren Vornameninitiale zufällig das M ist, lernten sich bei ihrer gemeinsamen Gebrauchswerberlehre kennen und kamen durch die den Rap revolutionierenden Alben »Licensed To Ill« der Beastie Boys und »Raising Hell« von Run DMC auf den Rap-Metal-Crossover-Geschmack.
Gleichzeitig sahen sie in der Gründung einer Band Gelegenheit, ihre werblichen Fähigkeiten auszuprobieren. So wurde erstmal ein Bandlogo designt, wurden Aufkleber, T-Shirts, Halskettenanhänger und Transparente für Freunde gefertigt, bevor der erste Song entstand. Daher waren zum '88er Rap-Contest - bei ihrem ersten Gig überhaupt - einige Dutzend als Three M-Men-Fans erkennbare Zuschauer zu sehen, die jedoch selber noch nie einen Song dieser Truppe gehört hatten...
Mit einer Krawallmetal-Begleitband auf der »Tonhallen«-Bühne erschienen, feierte das Trio sich und seinen allerersten Auftritt ausgiebig und durfte dank der »Fans« die meisten Zugaben aller Contestteilnehmer bringen. Mit hergebrachter HipHop-Musik hatte das Gebotene allerdings nur noch wenig gemein.
So wurden die Three M-Men als einzige Notiz vom 1. Rap-Contest in der monatlichen Musikzeitschrift mit »Melodie & Rhythmus« (10/'88) abgebildet. Einen Teil ihres Programmes bestritten sie mit Dadaismus-Texten, die zwar richtig englisch klangen, doch von Energy G gänzlich improvisiert wurden.
Die real existierenden Lyrics waren in Schulenglisch gereimt und handelten neben den angesagten Themen (»Gegen Neonazis« und »Party feiern«) vor allem von der Combo selbst. Der einzige Three M-Men-Titel, der je in »Vibrationen« gespielt wurde, war das verrauschte Demotape »Talkin' 'Bout Da Scene<< (Anfang'89). Es stellte die wichtigsten Rapinterpreten der DDR vor und griff Lutz Schramm, den Moderator der Sendung, wegen seiner Unkenntnis eben dieser Szene an:



Abb.: Three M-Men in Görlitz; DynaMike (MikeWagner, l.), Mr. Michael MC (Michael Kral, m.), Energy G. (Marian Meinhardt, r.) Foto: Michael Kral

"Rap is a thang dat rare happens in dis zone...
Dis time is over now, hear dat throngh my microphone.
Do U remind da days of July '87?
Radebeul rap contest booms 2 da heaven,
All da freaks fly high in da seventh sky,
Loosin' their minds when da rappers cry...
Dis def jam night we'll never forget -
Contest, not fight - yo! Dis is bad!
I don't ask a favour 4 describe dat eve
Who were da worst or became da first chief.
U vote 4 it, D.Ben is fit
Drummin' da beat 4 a hip hop hit!
If U wanna record it, now depress da key,
Push da head phones plug in your ghetto blaster -
We've already seen it faster, but we
Don't care about dat and start 2 rap:
Did U read da paper with da big headline?
Da »Soul Underground« - an English fanzine.
Da topic of it was dis sensation:
Foundin' of a German Zulu Nation
In East Germany and da whole Saxony -
Da figure-head is Electric B.
U know I don't mean dat Berlin rap popper -
Alex B. is clean, a really hiphopper
Not on da ruunin'-board, he got his own style,
Is da leader of da scene for a long, long while.
It's all da same when da next sucker came...
Rap bizness is anything - than a game.
'Cuz da show bizness isn't sweet as honey -
All da suckers in dis land just want 2 make 3 money
It's all da same again: we stand our man -
In any pub we stay and play if we may and can.
I spell da T, H, R, double E
M-Men band - da MC is me
Da fanzine wrote »Three M-Men are funny!«
All believed da zine, but not my mommy:
»Gigs in a pub, sonny, don't puff up!
Lemme see a bit money or a won rap cup!«
It's da sad lot, da naked truth:
DT boycotts sonnds of da youth!
64 is da only radio station
In da GDR 4 da Zulu Nation,
4 fans and freaks, 4 bands and beats -
So DT: Clean your ears 4 da groove in da streets!
We wish us perestroika on da radio - yo!
Don't be brake-block, rock da hip hop a show!
Hey, DT-Macker! It's da Three M-sucker -
Sorry, I call U motherfucker!
U R 2 tired 2 notice what's da matter
Go 2 bed and sleep - it's really better...
Now I talk 2 da slanting man Lutz Schlamm:
Do U know da scene, what's going on?
I know U don't know - and U don't check
Da newcomers such East Side Attack..."

Nachdem mehrere DDR-Rapinterpreten aufgezählt wurden, kam das Ende dieses 96-Zeilers:

"...Da system in dis state is your greatest enemy:
It overslaughs da feeling, da hip hop energy!
They can't understand da style of these bands
We ram them our message: dat de art such ours ramps!
We got da knowledge, can discipline
Suckers outside of here - first in Berlin!
Da town of rap, capitol of hip hop
Is here in Dresden! - Drop and stop."

Im Jahr darauf zum 2. Rap-Contest betrat die Band musikalisch mit Bluesrap- und Reggaerap-Crossover-Versuchen Neuland im DDR-HipHop, die jedoch uneingeübt performed und vom eher puristischen Publikum nicht angenommen wurden. Wenigstens waren sie die ersten, die ein Mädchen in der bis dato ausschließlich maskulinen DDR-Rapszene präsentierten: Black J rappte einen Titel mit.

S.B.-Jay

Alle, die 1989 in der >>Tonhalle« in Radebeul-West dabei waren, werden sich an das erste gut rappende Mädchen erinnern, das die Sensation und Publikumsliebling des Contests war und einen Part aus Neneh Cherrys »Manchild« darbot. Sprity K gehörte zum Zwei-Brüder-Projekt S.B.-Jay aus Arnstadt in Thüringen, das unter diesem Namen bis Januar 1990 existierte.
»King Master A.« und »Hipper Jeff B.« begannen 1987. S.B.-Jay wurden zum 1. Rap-Contest 1988 nach Radebeul-West eingeladen und waren seitdem szenebekannt. Im gleichen Jahr schickten sie ihre Kassette »first« an DT 64. Von diesem Tape wurde der Track »KMA« »auch mal im Radio DT 64 vorgestellt«.
Hauptbesetzung: Sandro Bartels und Jeffrey Bartels.

Famous Crack

Aus der geteilten Stadt Görlitz kamen Dirk »Sample DJ D« Hanisch und Sebastian »S. B. Junior<< Barth, die als Famous Crack bekannt wurden.

Hier ihre Sicht der Geschichte: »Alles begann mit meiner Skaterei. In Görlitz hatte sich seit Anfang der Achtziger eine Skatergemeinde gebildet, die sich sonnabends in der Straßburgpassage in der Innenstadt zum Skaten traf - wobei die Musik natürlich nicht fehlte. Verschiedene Leute brachten ihre B-Box mit, und ich spielte meine selbst zusammengeschnittenen Tracks ab, auf die ich auch schon ein bißchen rappte, z. B. Goethes >Zauberlehrling< auf ~Jam On It~ von Nucleus. Die meisten Jungs fanden das ziemlich cool, und so machte ich weiter. Wie die meisten DDR-HipHops haben wir immer den "Feindsender" RIAS mitgeschnitten und später daraus unsere Instrumentals gebastelt. Mir standen dafür drei Monorekorder, ein alter Plattenspieler und ein selbstgebauter Mixer zu Verfügung; mehr Equipment wurde es, als ich >Sample DJ D< kennenlernte. Das war ungefähr'87. Es waren eine ganze Menge Leute da, weil sich unser Treiben inzwischen in der Stadt herumgesprochen hatte. Jeder, der irgendwas mit Skaten, Breakdance, Mixing oder ähnlichem am Hut hatte, kam in diese Einkaufspassage.
Natürlich waren auch Ordnungshüter anwesend, die ab und zu unsere Ausweise kontrollierten oder uns irgendwie einzuschüchtern versuchten. Doch hatten wir genug Selbstbewußtsein, Spaß und auch Sympathien aus der gewöhnlichen Bevölkerung, daß wir die Sache am Leben hielten. An diesem Samstagnachmittag lernte ich Dirk kennen, der durch Freunde von meinem Mixing erfahren hatte. Ich war von dem, was er von sich, seiner Technik, von Tricks und Kniffen erzählte, sehr beeindruckt, und so gingen wir noch am selben Tag zu ihm, und er spielte mir einige Stücke von sich vor, die meinen Tracks einiges voraus hatten. ~Sample DJ D~ beherrschte die Kunst des Zusammenschneidens von Musikfetzen ziemlich perfekt, es waren keine Lücken oder Knackser zwischen den Parts zu hören, was einem Samplerloop nahe kam. Deswegen nannte ich ihn >Sample DJ D<.
Eine weitere Spezialität von ihm waren seine >Transformer-Scratches<. Meines Wissens waren wir die einzigen in der DDR, die auf diese Weise scratchten und >Transformer-Cuts< erzeugten. In unserer musikalischen Kennenlernphase entstanden Stücke wie z.B. >Midnight girl< und >What must do a DJ?<, die sehr von Dirks Mixing geprägt waren. Ich konzentrierte mich hauptsächlich auf das Schreiben der Lyrics, die vor allem von unserer Straßenkultur handelten. Wenn Sozialkritik anklang, dann subtil und versteckt aus Furcht vor Zensur oder Repressalien, meine Familie stand ja bereits wegen unseres Ausreiseantrags unter Stasi-Beobachtung. Im Zusammenhang mit unserer stärker werdenden musikalischen Aktivität stand auch die Entwicklung der Görlitzer Breakdance-Szene. In der Passage fanden nun regelmäßig Rap- und Breakdance-Jams statt, und immer mehr HipHops kamen dahin, um unsere Live-Acts zu sehen. Wir begannen, mit Ronny's Breaksystem, einer führenden Görlitzer Crew, zusammenzuarbeiten. Außer auf der Straße und in der Passage, traten wir bei Schul- und Lehrlingsfeten und in den zwei größten Diskos der Stadt auf. Im Winter '88/'89 integrierten wir Matthias Weidle alias >M.W.C-Freak< mit seinem C-64 als Soundbereicherung in unsere Crew, weil wir uns gut verstandenund er auch ein gewisses Talent zum Rappen hatte. Dann besuchte ich die Three M-Men aus Dresden in ihrem Görlitzer Lehrlingswohnheim, wo wir uns gegenseitig unsere Lyrics vorrappten. Schließlich verbanden wir unsere Projekte. Über die Three M-Men wurden wir mit der Dresdner HipHop-Szene bekannt gemacht. Durch sie erfuhren wir vom Rap-Workshop auf Schloß Nickern, an dem wir auch teilnahmen. Das war unser erster großer Auftritt und unser erstes Zusammentreffen mit anderen RapCrews aus der gesamten DDR. Den nächsten großen Gig gab's zum 2. Rap-Contest. Aus manchen neuen Connections entwickelten sich gemeinsame Jams oder Projekte. So traten wir z. B. mit Electric B in der Radebeuler >Sekte< auf, und DJ D scratchte auf seine Tracks zum >Quick Animation<-Trickfilm. Mit meiner Ausreise im September 1989 löste sich Famous Crack auf.«



Abb.: SBJ, später Famous Crack. Am Mikro: Sebastian, im Hintergrund: Sample DJ D (Foto: SBJ-Archiv)

Wie »DJ D« produzierte: »Ich habe meistens aus irgendwelchen Musikstücken, die mir besonders gut gefielen, mit einem umgebauten polnischen Kassettenrecorder genau auf den Beat die Stellen herausgeschnitten, die dann geloopt werden sollten, um erstmal einen permanenten Rhythmus herzustellen. Damit befand sich das >Basisstück< erstmal auf einem ORWO-Tape (60-min-Kassette Normalband: EVP 20,- Mark), und ich konnte mittels meines ersten selbstgebauten Mischpults (vier Stereo- und zwei Mikrokanäle) und eines zweiten Kassettenrecorders durch das Loslassen der Pausentaste im richtigen Augenblick (Samples darüberlegen), während das Basisstück vom ersten Recorder abgespielt wurde, das eigentliche Instrumental schaffen. Dem einen Recorder habe ich zusätzlich eine Geschwindigkeitsregelung eingebaut, damit ich eventuelle Geschwindigkeitsdifferen-zen der verschiedenen zusammengestückelten Schnipsel ausgleichen konnte. Mit dieser Methode habe ich im Prinzip die Arbeit mit Sequenzer und Sampler simuliert. Weiterhin haben S.B.Junior und ich uns eine riesengroße Kiste gebaut, die zwei Plattenspieler und später noch einen Mixer sowie zwei >Transformertasten< beinhaltete. Da ich früher-entweder mit einem tschechischem Tesla-Tonbandgerät oder mit einem DDR-Turntable gescratcht habe - ich hatte natürlich noch nie etwas von einem Crossfader am Mixer gehört - zerbrach ich mir den Kopf darüber, wie man das Geräusch am effektivsten >zerhackt<. Darum wollte ich erst einfach einen NVA-Morsetaster in Reihe zwischen Plattenspieler und Mixer hängen. Weil der Morsetaster aber zu groß zum Einbauen in die Kiste war, und ich noch einen zweiten brauchte, hab' ich dann bei jedem Plattenspieler einen Mikrotaster als Unterbrechung genommen. Mit dem Tonband zu kratzen, war übrigens auch sehr praktisch: man konnte nämlich die >Scratche<, welche man ja sowieso nie auf Vinyl bekam, einfach aufnehmen und durch Hin- und Herbewegen der Magnetspulen verscratchen - allerdings ungünstig für's Magnetband. Ab und zu kam ich in den Genuß, mir ein Effektgerät (Digitaldelay DEG 500 von Vermona) auszuborgen, wovon mir stolz die Brust schwoll, weil ich mit so guter Studiotechnik arbeiten durfte...«

Erfolgreiche Außenseiter

An kommerziell erfolgreiche Musik- im »Szene-Slang« als Sell-Out gedisst - wurde kaum gedacht.
Einziger Verteter des Genres Pop-Rap-Crossover war das Berliner Duo Electric Beat Crew (anfänglich Electric B. Force). Olaf Kretschmann (Rapper und Texter) und Marko Birkner (keyb) bleiben diejenigen, welche das Mainstreampublikum noch heute allein mit DDR-Rapmusik assoziiert. Geschafft haben sie das durch die nötigen Beziehungen zu den Jugendmedien »Elf 99« und »Klik<< (flott-fesch-getrimmte Fernsehsendungen der späten Achtziger), »neues leben« (buntes Teenie-Monatsmagazin) und »Junge Welt« (republikweite FDJ-Tageszeitung).
Die Musik der beiden war ein Mix aus poppigen Beats, verhältnismäßig viel Keyboardeinsatz und nachgeahmten Zitaten anderer internationaler Musiker, z. B. dem juchzendem Michael-Jackson-Kreischer oder Bambaataas »Idadada-Yoyo«. Dazu gab's Texte folgender Art:
"All we need is peace and harmony. / What we see is the reality. / Mr Gorbachev says: peace / and Mr Reagan sometimes: freeze..."
Der mediengehypten Electric Beat Crew blieb die Anerkennung des Undergrounds versagt. Später schafften sie eine »Quartett«-Single und LP-Veröffentlichung auf Amiga/Zong.
Der erste Song mit klaren Rap-Merkmalen in den Medien war jedoch »Disco in der U-Bahn« von Rockhaus aus dem Jahr 1984, offenbar inspiriert von NDW-Titeln a la Spliffs »...Blech weg«. In der Folgezeit veröffentlichten auch andere Rock-/ Popgruppen mal vereinzelte rapartige Lieder für Rundfunk und Amiga wie »Schniegli Normali« (von Quasimodo), »Liebe im Fahrstuhl« (Prinzz) und weitere.



Abb.: Dresden-Neustadt, Alaunstraße, 1989 Foto: Susanne Schleyer

Fazit

Rapmusik in der DDR war gekennzeichnet von mit naivem Idealismus gepaarter Unbeschwertheit und erreichte 1989 ihren Höhepunkt.
Musikalisch wurde kreativ gearbeitet, was nicht nur die technischen Fertigungsweisen anbelangt, sondern auch die stilistische Vielfalt betrifft.

Anhang / Nachtrag

Die Berliner DownTown Lyrics kamen 1990 noch zu Auftritten in der Schweiz, bevor sie sich trennten. Ein Teil der Gruppe ist heute als A Real Dope Thing bekannt.
Die Potsdamer PDM Teenie Rappers traten mit dem heutzutage kommerziell erfolgreichen Bürger Lars Dietrich beim 2. Rap-Contest auf, welcher als einziger deutsch rappte: »Mein Name ist Lars und ich komme vom Mars, und ich esse viel Gras, denn das macht mir Spaß... okay, das Zuckerrohr, das ist abgebrannt, also zuck' ich, also zuck' ich durch's Märchenland...« PDM bestehen heute noch.
Auch in Dessau gab es mehrere Rap-Combos.
SMC (Holger Peters) aus Stralsund. Dabei seit 1987.
BeatClub 99 aus Cottbus/Hoyerswerda, Besetzung: Rapper: BCR (Michael Lorenz), Raid (Dirk Suckert), Beat Box: Raid und Mario Schmerle, DJ: DC Matthias Littmann, gegründet: 1988.









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